{"id":550,"date":"2025-02-10T20:31:36","date_gmt":"2025-02-10T18:31:36","guid":{"rendered":"https:\/\/zak-tuebingen.org\/?p=550"},"modified":"2025-02-10T20:31:36","modified_gmt":"2025-02-10T18:31:36","slug":"kundgebung-brandmauer-marktplatz-tuebingen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/zak-tuebingen.org\/?p=550","title":{"rendered":"&#8222;Kundgebung Brandmauer&#8220; Marktplatz T\u00fcbingen"},"content":{"rendered":"\n<p>Redebeitrag : <\/p>\n\n\n\n<p><em>Mein Name ist Andreas Foitzik. Ich arbeite bei adis e.V. und spreche heute hier f\u00fcr die Gruppe ZAK\u00b3.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/zak-tuebingen.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/FFFDrohne-Marktplatz-Tue-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"344\" height=\"597\" src=\"https:\/\/zak-tuebingen.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/FFFDrohne-Marktplatz-Tue-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-554\" srcset=\"http:\/\/zak-tuebingen.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/FFFDrohne-Marktplatz-Tue-3.jpg 344w, http:\/\/zak-tuebingen.org\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/FFFDrohne-Marktplatz-Tue-3-173x300.jpg 173w\" sizes=\"auto, (max-width: 344px) 100vw, 344px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Vor gut 34 Jahren haben wir als ZAK auch hier in T\u00fcbingen demonstriert. Im Bundestagwahlkampf 1990 hat der SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine einen der ersten rassistischen Asyl-Wahlk\u00e4mpfe gef\u00fchrt. Auch damals gab es in der Folge rassistische \u00dcbergriffe, ein paar Jahre sp\u00e4ter dann die brutalen Brandanschl\u00e4ge in M\u00f6lln und Solingen. Schon damals war klar, wer die wirklichen Brandstifter waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch jetzt sehen wir wieder, dass die Brandstifter auf beiden Seiten der sogenannten Brandmauer stehen. Die Brandmauer br\u00f6ckelt schon lange, nun brennt sie auf beiden Seiten lichterloh.<\/p>\n\n\n\n<p>Es unertr\u00e4glich, dass der Tabubruch, gemeinsam mit der in gro\u00dfen Teilen faschistischen AfD einen Antrag abzustimmen, direkt nach einer Gedenkstunde zum Holocaustgedenktag von statten ging. Max Czollek hat dies zurecht als Erinnerungstheater bezeichnet, wenn das Erinnern an die geschichtliche Verantwortung unseres Landes zum reinen Ritual wird ohne irgendeine Folge auf das politische Handeln in der Gegenwart. Ich kann gut verstehen, wenn nun Holocaust\u00fcberlebende ihr Bundesverdienstkreuz zur\u00fcckgeben. Die Lehre aus der Geschichte muss ein f\u00fcr alle mal sein: Menschenrechte sind nicht verhandelbar!<\/p>\n\n\n\n<p>Den Preis f\u00fcr den Tabubruch zahlen alle Menschen, die als Migrant*innen gelesen werden und sich heute mehr denn ja fragen m\u00fcssen, ob sie sich in diesem Land noch sicher f\u00fchlen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Preis zahlen aber auch viele andere Gruppen. Zum Beispiel Transpersonen, die immer \u00f6fter Opfer von \u00dcbergriffen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erneute Eskalation der rassistischen Debatte in Folge der brutalen Anschl\u00e4ge in Magdeburg und Aschaffenburg hat ja ganz offensichtlich mit den Hintergr\u00fcnden der schrecklichen Vorf\u00e4lle nichts zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00fcrde gerne in einer Gesellschaft leben, die sich in einer solchen Situation Zeit nimmt, innezuhalten. In einer Gesellschaft, die R\u00e4ume \u00f6ffnet, um gemeinsam zu trauern und sich gegenseitig zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Gesellschaft, die in der Lage ist, auch bei solch grausamen Terrorakten noch die Menschen hinter den Taten zu sehen. Nicht, um die Taten zu entschuldigen, aber um zu verstehen, was sie zu tun haben, mit ungel\u00f6sten Problemen unserer Gesellschaft und auch der globalen Weltverh\u00e4ltnisse.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Gesellschaft, die Verantwortung auch daf\u00fcr \u00fcbernimmt, dass Jahrhunderte von kolonialen und postkolonialen Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen und Naturzerst\u00f6rung mit zu der Situation beigetragen haben, in der solche Taten passieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer solchen Gesellschaft w\u00fcrden nach solchen Ereignissen andere Fragen gestellt. In dieser Gesellschaft w\u00fcrden alle zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel genutzt, um mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen. Die Gesellschaft w\u00fcrde den Menschen unterst\u00fctzend zur Seite stehen, die durch die Verh\u00e4ltnisse krank geworden sind. Stattdessen, das erleben wir auch hier gerade in T\u00fcbingen, wird gerade dort gespart, wo Menschen auch pr\u00e4ventiv unterst\u00fctzt werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Debatte \u00fcber Migration hat sich in den letzten Jahrzehnten ein gesellschaftliches Narrativ verfestigt, das Hans Seehofer mit dem Satz \u201eDie Migration ist die Mutter aller Probleme\u201c zusammengefasst hat. Es macht Politik und Medien jederzeit m\u00f6glich, die Migrationsdebatte zu missbrauchen, um andere gesellschaftliche Probleme zu vertuschen. Und dies v\u00f6llig unabh\u00e4ngig, ob es einen sachlichen Zusammenhang gibt oder nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies macht es aktuell auch der AfD m\u00f6glich, die Parteien vor sich herzutreiben. Die Positionen der AfD, die vor wenigen Jahren noch zu einem gro\u00dfen Aufschrei gef\u00fchrt haben, sind l\u00e4ngst in der politischen Mitte verankert. Das Ergebnis ist, das so gut wie keine Partei in diesem Wahlkampf wirklich offensiv die Migrationsgesellschaft verteidigt und Minderheiten- und Menschenrechte in den Vordergrund stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einem Jahr standen wir auch hier mit 6000 Menschen gehen die Remigrationspl\u00e4ne der AfD. Aber wo waren wir, als dann in Folge die Regierung immer mehr der AfD-Forderungen umgesetzt hat und das Menschenrecht auf Asyl immer mehr ausgeh\u00f6hlt hat. Wir stehen heute wieder hier. Aber es wird nicht ausreichen. Es muss weitergehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein erster kleiner Vorschlag: es ist in diesem Land ungew\u00f6hnlich, in seinem Bekanntenkreis offen zu sagen, wen man w\u00e4hlt. Wie w\u00e4re es, wenn wir alle in den n\u00e4chsten Tagen, den Menschen, die wir kennen, denen wir mehr oder weniger nahestehen, m\u00fcndlich, per Mail, per Signal wie auch immer mitteilen, warum wir wen w\u00e4hlen und vor allem warum wir wen nicht f\u00fcr w\u00e4hlbar halten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ganz gro\u00dfer Dank an die Aktivist*innen von FFF, die \u2013 ich war am Rande beteiligt und habe es daher mitbekommen \u2013 mit einem gro\u00dfen Engagement und einem beeindruckenden achtsamen Umgang miteinander diese Kundgebung organsiert haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Redebeitrag : Mein Name ist Andreas Foitzik. Ich arbeite bei adis e.V. und spreche heute hier f\u00fcr die Gruppe ZAK\u00b3. Vor gut 34 Jahren haben wir als ZAK auch hier in T\u00fcbingen demonstriert. Im Bundestagwahlkampf 1990 hat der SPD-Kanzlerkandidat Oskar Lafontaine einen der ersten rassistischen Asyl-Wahlk\u00e4mpfe gef\u00fchrt. 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