{"id":265,"date":"2017-05-01T17:46:58","date_gmt":"2017-05-01T15:46:58","guid":{"rendered":"http:\/\/zak-tuebingen.org\/?page_id=265"},"modified":"2018-02-22T20:30:28","modified_gmt":"2018-02-22T18:30:28","slug":"10-antworten","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/zak-tuebingen.org\/?page_id=265","title":{"rendered":"11 Antworten"},"content":{"rendered":"<p>Einige Einw\u00e4nde gegen \u201eT\u00fcBus ticketfrei\u201c \u2013 und unsere Antworten von Gruppe ZAK\u00b3 T\u00fcbingen<\/p>\n<p>Seit 2008 fordern wir einen Nulltarif im T\u00fcbinger Stadtverkehr (\u201eT\u00fcBus umsonst\u201c). Dies aus zwei grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegungen:<\/p>\n<p>1. Mobilit\u00e4t wird f\u00fcr immer mehr Menschen unerschwinglich. Um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, muss mensch mobil sein k\u00f6nnen: Mobilit\u00e4t ist ein Grundrecht. Und die Erm\u00f6glichung sozialer Teilhabe eine Grundvoraussetzung f\u00fcr eine demokratische Gesellschaft.<\/p>\n<p>2. Die Auto-Gesellschaft st\u00f6\u00dft an ihre Grenzen. Die St\u00e4dte ersticken im motorisierten Verkehr, der Klimawandel bedroht die Existenzgrundlagen der gesamten Menschheit. Wir brauchen neue, sozial- und klimavertr\u00e4gliche Konzepte der Mobilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Zunehmende Armut, soziale Ausgrenzung und der weltweite Klimawandel bedrohen unser soziales Zusammenleben.\u00a0 Unsere bisherige Lebensweise ist nicht zukunftsf\u00e4hig. Das erfordert rasche und radikale Antworten. Ein Nulltarif im Stadtverkehr (und damit verbunden der Umstieg vom Auto in den Bus) w\u00e4re eine solche Antwort, die direkt zu einer gerechteren und klimafreundlicheren Lebensweise beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Immer wieder, wenn in den letzten Jahren das Thema Nulltarif in T\u00fcbingen debattiert wurde, waren es \u00e4hnliche Argumente, die dagegen ins Feld gef\u00fchrt wurden \u2013 nun auch wieder in der aktuellen Debatte \u00fcber den von der Stadtverwaltung im April 2017 vorgelegten und durchgerechneten Vorschlag.\u00a0 Wir haben in unserer Presseerkl\u00e4rung vom 28.04.17 manche dieser Einw\u00e4nde als \u201ehasenf\u00fc\u00dfig\u201c bezeichnet. Politik braucht auch Visionen. Wenn wir Antworten suchen auf die gro\u00dfen Herausforderungen dieser Zeit, d\u00fcrfen wir nicht zu klein denken.\u00a0 In diesem Sinne wollen wir mit diesem Papier einladen, die bisherigen Einw\u00e4nde in aller Sachlichkeit daraufhin zu pr\u00fcfen, ob sie dem gro\u00dfen Wurf \u201eT\u00fcBus umsonst\u201c tats\u00e4chlich entgegenstehen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>1. Einwand: Ein Nulltarif (oder ein \u201eticketfreier\u201c Stadtverkehr) verst\u00f6\u00dft gegen das Verursacher-Prinzip. Wer den Bus nutzt, soll auch daf\u00fcr zahlen. Es ist nicht gerecht, dass Personen, die den Bus selten oder nie nutzen, daf\u00fcr genauso zahlen sollen wie VielfahrerInnen.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Das Gleiche gilt auch f\u00fcr viele andere \u00f6ffentliche G\u00fcter und Dienstleistungen, die jeweils nur von einer Minderheit der Bev\u00f6lkerung genutzt werden. Beispiele: Sportanlagen, Parks, W\u00e4lder, soziale Beratungsstellen, Volkshochschulen, Krankenh\u00e4user, Obdachlosenunterk\u00fcnfte etc. Aber ihre gesellschaftliche Funktion wird als so wichtig erachtet, dass sie trotzdem weitgehend umsonst zur Verf\u00fcgung gestellt werden (bzw. von allen aus Steuermitteln bezahlt werden). In einer Zeit, in der Mobilit\u00e4t als Voraussetzung f\u00fcr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben immer wichtiger wird, sollte auch der Stadtbus eine solche \u00f6ffentliche Dienstleistung darstellen (\u201eDaseinsvorsorge\u201c). Au\u00dferdem ist ein gut funktionierender \u00d6PNV ein wertvolles Sicherheitsnetz f\u00fcr alle, die normalerweise mit dem Fahrrad oder mit dem Auto fahren: Wenn das Wetter zu schlecht ist f\u00fcrs Radeln, wenn man krank oder verletzt ist, wenn das Auto in der Werkstatt ist, wenn man im Alter weniger mobil wird, etc. Abgesehen davon: Alle w\u00fcrden davon profitieren, wenn immer mehr Leute in den Bus umsteigen. Weniger Autofahrten hei\u00dft: Weniger L\u00e4rm, weniger Dreck, weniger Unf\u00e4lle,<br \/>\nweniger Fl\u00e4chenverbrauch f\u00fcr Parkpl\u00e4tze, etc. Die Stadt w\u00fcrde f\u00fcr alle lebenswerter. Und die verbliebenen hartn\u00e4ckigen AutofahrerInnen stehen seltener im Stau! Ein allgemein finanzierter Nulltarif funktioniert wie eine Krankenversicherung: Da zahlen die Gesunden auch solidarisch mit f\u00fcr die Behandlung der Kranken.<\/p>\n<p><strong>2. Einwand: In T\u00fcbingen fahren schon heute sehr viele Leute mit dem Bus. Das l\u00e4sst sich mit einem Nulltarif kaum noch steigern.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Eine wissenschaftliche Haushaltsbefragung 2013 zum Mobilit\u00e4tsverhalten der T\u00fcbingerInnen \u201eim Binnenverkehr\u201c kam zu folgendem Ergebnis: 37% aller Wege werden zu Fu\u00df zur\u00fcckgelegt, 19% mit dem Fahrrad, 18% mit dem \u00d6PNV und 26% mit dem Auto. D.h.: Verglichen mit anderen St\u00e4dten ist der Auto-Anteil in T\u00fcbingen schon heute relativ gering. Aber: Bei l\u00e4ngeren Strecken (Stadtteile, Bergstrecken!) steigt der Auto-Anteil erheblich. 41% aller zur\u00fcckgelegten Kilometer werden mit dem Auto gefahren. Da w\u00e4re durchaus noch Potenzial f\u00fcr mehr Bus-Fahrten. Die aktuelle Vorlage der Stadtverwaltung vom April 2017 geht davon aus, dass der \u00d6PNV in T\u00fcbingen durch einen ticketfreien Nahverkehr um ca. 1\/3 gesteigert werden k\u00f6nnte, das w\u00e4ren j\u00e4hrlich 6,6 Millionen zus\u00e4tzliche Fahrg\u00e4ste. Und: Dass der \u00d6PNV-Anteil in T\u00fcbingen relativ hoch ist, liegt vor allem an den vielen Studierenden. F\u00fcr die gilt schon heute eine sehr g\u00fcnstige Flat-Rate (\u201eSemesterticket\u201c). Die berufst\u00e4tigen T\u00fcbingerInnen fahren bisher eher selten mit dem Bus.<\/p>\n<p><strong>3. Einwand: Bei einem Nulltarif w\u00fcrden die Falschen auf den T\u00fcBus umsteigen: n\u00e4mlich nicht die Autofahrer, sondern die FahrradfahrerInnen und Fu\u00dfg\u00e4ngerInnen. Dann w\u00fcrde noch mehr CO2 produziert als heute.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Wahrscheinlich gibt es tats\u00e4chlich einige Schlaffis, die aus reiner Bequemlichkeit lieber den Gratis-Bus nehmen, als ein paar Schritte zu Fu\u00df zu gehen oder eine kurze Strecke zu radeln. Aber wenn man das verhindern wollte, m\u00fcsste man auch Monatskarten und Semestertickets abschaffen. Viele (kurze) Strecken k\u00f6nnen sowieso viel schneller und bequemer mit dem Fahrrad oder zu Fu\u00df zur\u00fcckgelegt werden. Da kann auch ein Umsonst-Bus nicht helfen. Viele Leute radeln oder gehen einfach deshalb, weil es mehr Spa\u00df macht, flexibler, ges\u00fcnder und entspannender ist. Bus und Fahrrad sind keine Konkurrenten, sondern sollten einander erg\u00e4nzen. Intelligente Konzepte als Zwischenl\u00f6sungen: Mehr Fahrrad-Mitnahmem\u00f6glichkeiten an den Bergstrecken, Solar-Akkus an den Basisstationen der Bergetappen (nach Waldh\u00e4user-Ost etc.). Bessere Radweg-Verbindungen. Mehr und bessere Rad-Stellpl\u00e4tze. \u00d6ffentliche Bikes. \u00dcberall umsteigen von Bus auf Rad und umgekehrt.<\/p>\n<p><strong>4. Einwand: Das vorgeschlagene Finanzierungsmodell ist sozial ungerecht.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Der von der Verwaltung vorgeschlagene Mix aus Grundsteuererh\u00f6hung, Gewerbesteuererh\u00f6hung und Umschichtung von Haushaltsmitteln w\u00e4re sozial viel ausgewogener als das bisherige System. MieterInnen und Eigent\u00fcmerInnen in kleinen Wohnungen zahlen weniger Grundsteuer, Wohlhabende in gro\u00dfen H\u00e4usern zahlen mehr. Hartz4-BezieherInnen zahlen gar keine. Ja, manche T\u00fcbingerInnen w\u00fcrden mehr bezahlen als bisher (vor allem solche, die bisher nie mit dem Bus fahren). Aber f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit w\u00e4re das neue System g\u00fcnstiger und gerechter.<br \/>\nDas bisherige Ticketsystem ist sehr umst\u00e4ndlich und belastet die Falschen: BonuscardBesitzerInnen zahlen 29,60 Euro im Monat,\u00a0 Sch\u00fclerInnen zahlen 36 Euro. GeringverdienerInnen zahlen die volle Monatskarte von 49,40 Euro. F\u00fcr sie bringt der Palmer-Vorschlag eine riesige Entlastung. Auch die alternativ diskutierte \u2013 bisher gesetzlich noch nicht vorgesehen &#8211; Verkehrsumlage w\u00e4re nur dann sozial gerechter, wenn sie nach dem Vorbild der Kindergartengeb\u00fchren sozial gestaffelt wird und Kinder und Jugendliche, Geringverdienende, Bonuscard-BesitzerInnen, Fl\u00fcchtlinge etc. ganz befreit sind.\u00a0 Aber selbst eine (sozial ungerechte) Pro-Kopf-Abgabe w\u00fcrde immerhin auch die Reichen (die weiterhin mit ihrem dicken Auto fahren) zu einem Beitrag zum \u00f6ffentlichen Busverkehr zwingen.\u00a0 Umgekehrt w\u00fcrden gerade viele Arme, die gar kein eigenes Auto haben, von einem Ausbau des \u00d6PNV profitieren. Selbst mit einer Pro-Kopf-Pauschale von 13,50 Euro im Monat (das w\u00e4re der von der Stadtverwaltung errechnete Pro-Kopf-Preis) w\u00e4ren sie noch erheblich billiger dran als mit dem heutigen T\u00fcbinger Sozialticket.<\/p>\n<p><strong>5. Einwand: Eine Finanzierung \u00fcber die Gewerbesteuer belastet und vertreibt die T\u00fcbinger Unternehmen.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Auch die T\u00fcbinger Unternehmen werden von einem ticketfreien und ausgebauten Busverkehr profitieren. Ihre Besch\u00e4ftigten kommen besser zur Arbeit, ihre Transporte stehen weniger im Stau, die Firmen brauchen weniger Parkpl\u00e4tze. Deswegen sollen sie sich auch an der Finanzierung beteiligen. Wir gehen davon aus, dass die H\u00f6he der Gewerbesteuer nur einer unter sehr vielen Faktoren \u2013 und sicher nicht der gewichtigste &#8211; ist, weshalb ein Unternehmen in einer Stadt seinen Standort hat oder nicht.<\/p>\n<p><strong>6. Einwand: Der \u00d6PNV wird schon jetzt hoch subventioniert.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Stimmt, und das ist auch richtig so. Aber die bisherige Finanzierung des \u00d6PNV ist gescheitert. 2019 l\u00e4uft das entsprechende Bundesgesetz aus. Und die Ticketpreise sind jetzt schon f\u00fcr viele Menschen unerschwinglich hoch. Der Nahverkehr braucht eine neue, zukunftstaugliche Finanzierungsgrundlage. Nirgendwo auf der Welt wird der \u00d6PNV kostendeckend betrieben. Auch in T\u00fcbingen flie\u00dfen schon jetzt mehrere Millionen Euro Steuergelder in den \u00d6PNV (weil die Stadtwerke ohne Busverkehr viel mehr Gewinn machen w\u00fcrden und diesen an die Stadtkasse abf\u00fchren k\u00f6nnten). Bei einem Nulltarif muss sich diese Subvention gewaltig erh\u00f6hen. Die Kommune muss neue Einnahmem\u00f6glichkeiten finden (Pro-Kopf-Verkehrsabgabe, City-Maut f\u00fcr Autos, h\u00f6here Grundsteuer, h\u00f6here Gewerbesteuer, zweckgebundene Zusch\u00fcsse von Land und\/oder Bund, o.\u00e4.)\u00a0 Auch andere Verkehrsmittel werden aus Steuergeldern subventioniert. Stra\u00dfenbau, Parkh\u00e4user, etc.\u00a0 Flugbenzin\/Kerosin ist steuerfrei. Fu\u00dfg\u00e4nger bekommen kostenlos Gehwege zur Verf\u00fcgung gestellt. Es ist eine politische Frage, f\u00fcr welche Art von Mobilit\u00e4t die Gesellschaft wie viel Geld ausgeben will. Au\u00dferdem sollte man die einzelnen Verkehrsmittel nicht nur betriebswirtschaftlich bewerten, sondern\u00a0 auch volkswirtschaftlich. Wenn man die hohen &#8222;Nebenkosten&#8220; des Autoverkehrs einberechnet (Unfallopfer, Umweltbelastung, Zeitverlust im Stau, etc.), dann ist der \u00d6PNV viel g\u00fcnstiger &#8212; die Subvention daf\u00fcr ist also gut angelegtes Geld.<\/p>\n<p><strong>7. Einwand: Das Hauptproblem sind die PendlerInnen \u2013 nicht die T\u00fcbingerInnen! Ohne die Einbeziehung von Naldo w\u00e4re ein T\u00fcbinger Nulltarif wirkungslos.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4re der Nutzen eines ticketfreien \u00d6PNV im Landkreis oder sogar im ganzen Naldo-Gebiet ungleich h\u00f6her. Viele der Autos, die heute in T\u00fcbingen im Stau stehen, kommen aus dem Umland (vor allem Berufs- oder Einkaufs-PendlerInnen). Allerdings ist es auch viel aufw\u00e4ndiger, in den D\u00f6rfern einen guten Bus- und Bahnverkehr aufzubauen (zus\u00e4tzliche Haltestellen, dichterer Takt \u2013 auch am Abend und am Wochenende!) als in der Stadt T\u00fcbingen selbst. Ohne gute \u00d6PNV-Verbindungen k\u00f6nnen viele PendlerInnen nun mal kaum aufs Auto verzichten. Und die politischen H\u00fcrden f\u00fcr einen Nulltarif d\u00fcrften im Umland eher noch h\u00f6her sein als in der Stadt T\u00fcbingen selbst. Wir verstehen \u201eT\u00fcBus Umsonst!\u201c als Startschuss f\u00fcr die gesamte Region. Man kann gut damit in T\u00fcbingen anfangen und das Konzept sp\u00e4ter ausweiten. Attraktive Angebote f\u00fcr Ein- und Auspendler, z.B. Park &amp; Ride Parkpl\u00e4tze am Stadtrand mit guter Anbindung, werden das Angebot des T\u00fcbinger \u00d6PNV f\u00fcr Pendler attraktiver machen. In T\u00fcbingen ans\u00e4ssige Firmen k\u00f6nnen an der Finanzierung von besonderen Angeboten f\u00fcr ausw\u00e4rtige Besch\u00e4ftigte beteiligt werden.\u00a0 &#8222;T\u00fcBus ticketfrei&#8220; w\u00fcrde auch als rein T\u00fcbinger Projekt funktionieren und h\u00e4tte bereits hier positive soziale und \u00f6kologische Wirkungen.<\/p>\n<p><strong>8. Einwand: Was nichts kostet, ist nichts wert.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Die Erfahrung lehrt, dass Dinge, die umsonst zur Verf\u00fcgung gestellt werden, gesellschaftlich wenig Achtung erfahren. Damit besteht die Gefahr, dass nicht weiter in eine verbesserte Qualit\u00e4t des T\u00fcBus investiert werden wird (Taktzeiten, Vernetzung, Barrierefreiheit, Transparenz, Kundenservice, Sicherheit&#8230;). Das k\u00f6nnte man verhindern, wenn die T\u00fcbingerInnen mehr Mitbestimmungsm\u00f6glichkeiten h\u00e4tten. Mit der bundesweit beachteten Pionier-Tat \u201eNulltarif\u201c w\u00fcrden die T\u00fcbingerInnen stolz sein auf ihren \u201eB\u00fcrgerbus\u201c. Das Modell h\u00e4tte weit \u00fcber die Region hinaus Strahlkraft, dieses Image w\u00fcrde wiederum der Stadt zugutekommen (Tourismus, Einkaufen in der Stadt&#8230;).<\/p>\n<p><strong>9. Einwand: Die Ticketfreiheit kostet die Kommune viel Geld. Dieses Geld\u00a0 sollte man lieber f\u00fcr geb\u00fchrenfreie Kinderg\u00e4rten oder andere Aufgaben verwenden.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Wir haben \u00fcberhaupt nichts gegen geb\u00fchrenfreie Kinderg\u00e4rten, im Gegenteil! Unserer Meinung nach sollte die gesamte soziale Infrastruktur (Bildung, Gesundheit, Mobilit\u00e4t) von der Allgemeinheit finanziert werden \u2013 also alles, was die einzelnen Menschen und die Gesellschaft als Ganzes zum Leben brauchen. Diese Diskussion sollten wir f\u00fchren. Und dabei auch Kriterien daf\u00fcr entwickeln, was zum gemeinsamen guten Leben notwendig ist \u2013 und was jede\/r selbst erledigen soll. Ein Nulltarif im Nahverkehr h\u00e4tte neben der sozialen Entlastung zus\u00e4tzlich auch eine \u00f6kologische Lenkungswirkung: weniger Autofahrten, weniger Unf\u00e4lle, weniger L\u00e4rm, weniger Ressourcenverbrauch, weniger CO2. Insofern w\u00e4re ein ticketfreier T\u00fcBus auch eine Antwort auf den existenzgef\u00e4hrdenden Klimawandel.<\/p>\n<p><strong>10. Einwand: Ein Nulltarif lie\u00dfe sich auch schrittweise einf\u00fchren: g\u00fcnstigere Sozialtickets, mehr Jobtickets, kostenlose Sch\u00fclermonatskarten, Nulltarif erst ab 19 Uhr, etc.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Wir\u00a0 w\u00fcrden auch g\u00fcnstigere Sozialtickets oder Ticketfreiheit f\u00fcr Minderj\u00e4hrige begr\u00fc\u00dfen, jeden Schritt hin zu einem allgemeinen Nulltarif. Aber die Zwischenschritte k\u00f6nnen das Tarifwirrwarr nicht beseitigen (sondern vergr\u00f6\u00dfern es sogar noch). Schon jetzt gibt es 16 verschiedene Monatskarten-Tarife, plus viele verschiedene Einzelkarten. So wirbt man keine neuen Fahrg\u00e4ste. Wenn der T\u00fcBus wie im aktuellen Entwurf der SPD erst ab 19 Uhr ticketfrei ist, dann muss ich umso mehr dar\u00fcber nachgr\u00fcbeln, ob ich wirklich schon um 18.45 Uhr zu meinem Termin fahren will. Ticketfreiheit f\u00fcr alle hie\u00dfe eben auch: Einfach einsteigen und mitfahren! Wir sind \u00fcberzeugt: Davon w\u00fcrde eine gro\u00dfe Ausstrahlung ausgehen, ein gro\u00dfer Image-Gewinn auch f\u00fcr den T\u00fcbinger Stadtverkehr. Wir brauchen keine kleinen Appetith\u00e4ppchen, sondern einen \u201egro\u00dfen Wurf\u201c!<\/p>\n<p><strong>11. Einwand: Ein Nulltarif ist politisch nicht durchsetzbar.<\/strong><\/p>\n<p>Antwort: Das kurzfristige Schielen nach W\u00e4hlerstimmen f\u00fchrt nur zu einem \u201eWeiter so\u201c. Es fehlt der Mut, Visionen zu entwickeln und f\u00fcr sie zu streiten. Dies w\u00e4re aber nicht nur aufgrund der beschriebenen Herausforderungen notwendig, sondern auch als Antwort auf die zunehmende Politikverdrossenheit.\u00a0 Auch in den 1990er Jahren, als \u00fcberall umlagefinanzierte Semestertickets eingef\u00fchrt wurden, gab es gro\u00dfe Bedenken. Es hie\u00df: Semestertickets werden die Studierenden nur dazu verf\u00fchren, ihre Fahrr\u00e4der stehen zu lassen und faul mit dem Bus zu fahren. Die Finanzierung sei zu teuer und belaste auch Studierende, die nie mit dem \u00d6PNV fahren. Mittlerweile hat sich gezeigt: Semestertickets sind ein gro\u00dfer Erfolg.<\/p>\n<p><strong>Es gibt also zahlreiche Einw\u00e4nde und Vorbehalte gegen einen ticketfreien Nahverkehr \u2013 aber auch zahlreiche gute Argumente, die diese Einw\u00e4nde entkr\u00e4ften k\u00f6nnen. Die Umsetzung eines ticketfreien \u00d6PNV ist ein gro\u00dfes Projekt, das sich wohltuend abhebt gegen das Klein-Klein aktueller Politikgestaltung \u2013 auch deshalb \u00fcberrascht und erschreckt es wohl manche und erzeugt in der Stadtgesellschaft heftige Reaktionen. F\u00fcr uns als Gruppe ZAK\u00b3 ist der von der Stadtverwaltung vorgelegte Vorschlag eines ticketfreien T\u00fcBus in der Finanzierung wesentlich gerechter als das derzeitige System. Und der von allen B\u00fcrgerInnen finanzierte T\u00fcBus w\u00e4re ein gelungenes Beispiel f\u00fcr Solidarit\u00e4t in der Stadtgesellschaft \u2013 im Sinne eines guten Lebens f\u00fcr alle.<\/strong><\/p>\n<p>ZAK\u00b3 T\u00fcbingen (Gruppe gegen Kapitalismus, Krieg und Kohlendioxid), Mai 2017<br \/>\nKontakt: zak@zak-tuebingen.org<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Einw\u00e4nde gegen \u201eT\u00fcBus ticketfrei\u201c \u2013 und unsere Antworten von Gruppe ZAK\u00b3 T\u00fcbingen Seit 2008 fordern wir einen Nulltarif im T\u00fcbinger Stadtverkehr (\u201eT\u00fcBus umsonst\u201c). Dies aus zwei grunds\u00e4tzlichen \u00dcberlegungen: 1. Mobilit\u00e4t wird f\u00fcr immer mehr Menschen unerschwinglich. Um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, muss mensch mobil sein k\u00f6nnen: Mobilit\u00e4t ist ein Grundrecht. 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